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Restnutzungsdauer-Gutachten in Nürnberg

Restnutzungsdauer-Gutachten in Nürnberg: Was der Gebäudebestand für Eigentümer bedeutet

Am 2. Januar 1945 wurde die Nürnberger Altstadt in einer Nacht fast vollständig zerstört; von 134.000 Wohnungen der Stadt blieben 14.500 unbeschädigt. Was heute mittelalterlich wirkt, ist zum größten Teil der gemäßigt traditionelle Wiederaufbau unter Stadtbaurat Heinz Schmeißner bis 1955. Nur 8 Prozent der Nürnberger Wohngebäude stammen aus der Zeit vor 1919, 34 Prozent aus den Jahren 1950 bis 1969, und mit Langwasser ab 1957 besitzt die Stadt eine der größten Großsiedlungen Süddeutschlands. Für Eigentümer vermieteter Immobilien ist Nürnberg damit eine Stadt der Wiederaufbaujahrgänge, bei denen sich die Frage nach der tatsächlichen Nutzungsdauer jetzt stellt.

Gebäudebestand Nürnberg auf einen Blick
  • 73.805 Gebäude mit Wohnraum, 283.757 Wohnungen (Zensus 2022).
  • 56,5 % vor 1970, davon 34,0 % aus 1950 bis 1969; nur 8,1 % vor 1919.
  • 69,7 % der Wohnungen vermietet, Leerstandsquote 3,1 %, Nettokaltmiete im Schnitt 8,21 €/m².
  • 28,2 % der Gebäude sind gereihte Einfamilienhäuser; 19,6 % heizen mit Heizöl, 15,4 % mit Fernwärme; 5,2 % gehören Genossenschaften.
  • 531.159 Einwohner (31.12.2025), zehn statistische Stadtteile, knapp 3.000 Einzeldenkmäler.

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2022; Destatis GV-ISys. Eigene Berechnung der Anteile.

Nürnbergs Gebäudebestand: Wiederaufbau mit Dachlandschaft

In der Altstadt wurden 4.553 Häuser zerstört, stadtweit war die Hälfte aller Wohnungen vernichtet. Schmeißner baute die Altstadt bis 1955 mit traditioneller Dachlandschaft, aber modernen Grundrissen wieder auf; die letzte Baulücke wurde 1967 geschlossen. Nur etwa ein Viertel der heutigen Nürnberger Gebäude stammt aus der Zeit vor dem Krieg.

Zum Stichtag des Zensus 2022 stammten 8,1 Prozent der 73.805 Nürnberger Gebäude mit Wohnraum aus der Zeit vor 1919 und 14,4 Prozent aus 1919 bis 1949. Die Jahre 1950 bis 1969 stellen 34,0 Prozent, nach dem Zensus-Gitter 15,6 Prozent aus 1949 bis 1957 und 17,5 Prozent aus 1958 bis 1968; 24,1 Prozent entstanden 1970 bis 1989, die Zeit von Langwasser und den Reihenhausgebieten der Außenstadt. Nach 2010 kamen 6,3 Prozent dazu.

BaujahrNürnbergDeutschland
vor 19198,1 %13,1 %
1919 bis 194914,4 %11,8 %
1950 bis 196934,0 %23,4 %
1970 bis 198924,1 %23,1 %
1990 bis 200913,1 %21,1 %
2010 und später6,3 %7,7 %

Anteile an allen Gebäuden mit Wohnraum, Zensus 2022, Stichtag 15.05.2022. Eigene Berechnung.

34,9 Prozent der Gebäude haben drei oder mehr Wohnungen, 28,2 Prozent sind gereihte Einfamilienhäuser, für eine Großstadt ein hoher Wert. Privatpersonen besitzen 73,3 Prozent der Gebäude, Genossenschaften 5,2 Prozent. Geheizt wird mit Gas (50,4 Prozent), Heizöl (19,6 Prozent) und Fernwärme (15,4 Prozent); der Ölanteil ist für eine Großstadt hoch und zeigt die vielen Reihen- und Einfamilienhäuser der Außenstadt. 69,7 Prozent der Wohnungen sind vermietet.

Warum der Wiederaufbau die Fragen stellt

Ein 1954 errichtetes Mietshaus in Gostenhof oder im Innenstadtgürtel Süd, 2026 erworben, wird mit 2 Prozent bis 2076 abgeschrieben. Die Wiederaufbauhäuser entstanden in Serie und mit knappen Mitteln, mit Haustechnik, Fenstern und Balkonen, die seither ein- oder zweimal erneuert wurden oder eben nicht. Ob die typisierte Nutzungsdauer zur Substanz passt, ist bei diesen Jahrgängen eine ernsthafte Frage. Das gilt auch für die Altstadt: Ein Haus mit Sandsteinfassade und Steildach von 1952 ist ein Nachkriegsgebäude mit den Decken und Leitungen seiner Zeit.

Ein Restnutzungsdauer-Gutachten beantwortet die Frage objektbezogen. Es würdigt den technischen Verschleiß der Bauteile, die wirtschaftliche Entwertung durch Grundriss, Ausstattung und Energiestandard, und die rechtlichen Beschränkungen, in Nürnberg vor allem den Ensembleschutz, der die gesamte Altstadt und 34 weitere Ensembles umfasst. Ein Restnutzungsdauergutachten für ein Reihenhaus in Langwasser und eines für ein Mietshaus in der Südstadt stellen dabei verschiedene Fragen an dasselbe Gesetz.

  • Prüfhinweise: bauzeitliche Haustechnik und Leitungen der 1950er Jahre, Ölheizungen und Flachdächer der 1960er und 1970er Jahre, ungedämmte Fassaden, Ensembleschutz oder Denkmalstatus, bei Großsiedlungen nicht modernisierte Stränge und Aufzüge.
  • Gegenhinweise: dokumentierte Erneuerung von Dach, Fenstern, Heizung und Leitungen, energetische Komplettmodernisierung, Neubau in Wetzendorf, auf dem Tiefen Feld oder im Lichtenreuth-Areal.

Zehn statistische Stadtteile, drei Bestandstypen

Nürnberg gliedert sich in zehn statistische Stadtteile mit 87 Bezirken. Die Auswertung des Zensus-Gitters nach ihren Grenzen zeigt:

Altstadt und Innenstadtgürtel

Altstadt, Innenstadtgürtel Süd und West

In der Altstadt stammen 42 Prozent der Gebäude aus 1949 bis 1968 und 22 Prozent aus der Zeit vor 1919, 74 Prozent sind Mehrfamilienhäuser. Der Innenstadtgürtel Süd hat 39 Prozent Nachkriegsbau und 21 Prozent Gründerzeit, der Gürtel West mit Gostenhof 33 und 17 Prozent. Hier stehen die Mietshäuser des Nürnberger Stils aus Sandstein neben dem Wiederaufbau.

Siedlungs-Außenstadt

Nordöstliche, Südliche, Östliche Außenstadt

In der Nordöstlichen Außenstadt stammen 35 Prozent der Gebäude aus 1919 bis 1948, darunter die Siedlungen der 1920er und 1930er Jahre; in der Südlichen und Östlichen Außenstadt je rund 30 Prozent Nachkriegsbau und 22 bis 25 Prozent aus 1969 bis 1983. Der Mehrfamilienhausanteil liegt bei 14 bis 18 Prozent: Reihenhausstadt.

Langwasser und Nachwende-Ränder

Südöstliche, Nordwestliche, Westliche Außenstadt

Die Südöstliche Außenstadt mit Langwasser besteht zu 38 Prozent aus Gebäuden der Jahre 1949 bis 1968 und zu 32 Prozent aus 1969 bis 1983. Im Nordwesten und Westen entstanden 22 bis 23 Prozent der Gebäude nach 1995, die Einfamilienhausgebiete der letzten Jahrzehnte.

Eigene Auswertung des Zensus-2022-Gitters (100 m) nach den Grenzen der statistischen Stadtteile aus OpenStreetMap. Die Gitterauswertung erfasst 99 Prozent der Gebäude der Gemeindetabelle; Zellen mit geheimhaltungsbedingt unterdrückten Werten fehlen.

Die Stadtteilzahlen zeigen, wo welche Fragen häufig sind, nicht, wie lang die Restnutzungsdauer einer bestimmten Immobilie ist.

Lokale Besonderheiten: Altstadt, Nürnberger Stil, Langwasser

Der gemäßigt traditionelle Wiederaufbau

Nürnberg entschied sich nach 1945 gegen die autogerechte Stadt und für einen Wiederaufbau, der die mittelalterliche Dachlandschaft, die Stadtmauer von fünf Kilometern Länge und das Straßennetz bewahrte. Die Häuser dahinter sind Nachkriegsbauten; wer in der Altstadt eine Immobilie vermietet, besitzt in der Regel ein Gebäude mit Fertigstellung zwischen 1949 und 1967, für das der typisierte AfA-Satz von 2 Prozent gilt. Die gesamte Altstadt steht als Ensemble unter Denkmalschutz, dazu kommen knapp 3.000 Einzeldenkmäler und 34 weitere Ensembles.

Nürnberger Stil, Gostenhof, Gartenstadt

Zwischen 1880 und 1900 entstanden die Mietshausviertel im Nürnberger Stil, Sandsteinfassaden mit Erkern und Giebeln, die sich an die Altstadt anlehnen. Gostenhof blieb vom Krieg weitgehend verschont und ist heute das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel der Stadt. Die Gartenstadt Nürnberg von 1911 nach Plänen von Richard Riemerschmid und die Werderau der MAN ab 1910 sind Siedlungen der Reformzeit, für die der Satz von 2,5 Prozent gilt und deren Gestalt geschützt ist. Ein Milieuschutz nach § 172 BauGB besteht in Nürnberg derzeit nicht.

Langwasser

Langwasser wurde ab 1957 auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände und Lagerflächen als Stadtteil für 40.000 Einwohner geplant; 2005 lebten dort rund 31.000 Menschen. Die Bauabschnitte reichen von Zeilen der 1950er Jahre über Hochhäuser der 1960er bis zu Reihenhäusern der 1970er Jahre, zu großen Teilen in Händen der wbg Nürnberg und der Genossenschaften. Für private Vermieter ist dort die einzelne Eigentumswohnung der typische Fall, bei der die Nutzungsdauer vom Sanierungsstand des Gesamtgebäudes abhängt.

Restnutzungsdauer-Gutachten in Nürnberg anfragen: So bereiten Sie sich vor

  • Stadtteil, Objektart, Zahl der Wohnungen, Nutzung (vermietet, teilweise vermietet, betrieblich)
  • Baujahr und Anschaffungszeitpunkt; in der Altstadt das tatsächliche Fertigstellungsjahr des Wiederaufbaus
  • Denkmalstatus oder Lage in einem Ensemble, soweit bekannt
  • Modernisierungen mit Jahr und Umfang: Dach, Fassade, Fenster, Heizung (Öltank?), Leitungen, Balkone
  • bekannte Schäden, Feuchte; Fotos von außen, Keller, Dachboden, Technikraum

Zu jedem Gutachten gehört eine Besichtigung durch den Sachverständigen; Termin und Unterlagen stimmen wir vor der Beauftragung mit Ihnen ab. Den Weg zum Restnutzungsdauer-Gutachten beschreibt die Seite Ablauf und Unterlagen, die Kostenlogik die Seite Kosten und Wirtschaftlichkeit.

Restnutzungsdauer und AfA: der steuerliche Rahmen in Kürze

Für Wohngebäude mit Fertigstellung zwischen 1925 und 2022 gilt ein typisierter AfA-Satz von 2 Prozent, also 50 Jahre; das betrifft in Nürnberg den größten Teil des Bestands einschließlich des Altstadt-Wiederaufbaus. Für Fertigstellung vor 1925 gilt 2,5 Prozent. § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG erlaubt die Abschreibung nach der tatsächlichen Nutzungsdauer, wenn sie kürzer ist und objektbezogen nachgewiesen wird. Ein qualifiziertes Gutachten muss das Finanzamt berücksichtigen; ob es die Nutzungsdauer übernimmt, prüft es im Einzelfall. Die Summe der Abschreibung bleibt gleich, nur ihre Verteilung auf die Jahre ändert sich. Einzelheiten und eine Modellrechnung finden Sie unter Gebäude-AfA und tatsächliche Nutzungsdauer.

Fragen zum Restnutzungsdauer-Gutachten in Nürnberg

Für den AfA-Satz zählt das Jahr der Fertigstellung, nicht das Erscheinungsbild. Ein Wiederaufbauhaus von 1953 fällt unter den Satz von 2 Prozent mit 50 Jahren typisierter Nutzungsdauer ab Anschaffung. Ob die tatsächliche Nutzungsdauer kürzer ist, entscheidet der Zustand von Decken, Dach, Leitungen und Haustechnik. Welcher Satz gilt, beurteilt Ihr Steuerberater.

An der Sanierungsgeschichte: Holzbalkendecken, Dachstuhl, Steigleitungen, Fassade und Fenster. Für Fertigstellung vor 1925 gilt der Satz von 2,5 Prozent, die Nutzungsdauer müsste für einen Ansatz unter 40 Jahren liegen. Der Ensembleschutz begrenzt zudem, was am Äußeren verändert werden darf, eine rechtliche Einflussgröße, die das Gutachten würdigt.

Grundsätzlich ja, die Nutzungsdauer bezieht sich auf das Gesamtgebäude. Bei Siedlungsbauten der 1950er bis 1970er Jahre hängt das Ergebnis vom Sanierungsstand der Hülle, der Stränge und der Aufzüge ab, über den die Eigentümergemeinschaft entscheidet. Ob eine Untersuchung aussichtsreich erscheint, sagen wir Ihnen nach der ersten Einordnung.

Einen Pauschalpreis nennen wir nicht, weil der Aufwand vom Objekt abhängt: Größe, Unterlagenlage, Komplexität und der Aufwand für die Besichtigung in Nürnberg. Nach der ersten Einordnung erhalten Sie ein Angebot mit Festpreis für den vereinbarten Umfang. Anfrage und Einordnung sind unverbindlich. Wie Sie die Wirtschaftlichkeit für Ihre Immobilie abschätzen, zeigt die Seite Kosten und Wirtschaftlichkeit.
Quellen und Datenstand
  • Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2022, Gebäude- und Wohnungszählung, Regionaltabelle Gebäude und Wohnungen, Stichtag 15.05.2022, Gemeinde Nürnberg (ARS 095640000000) und Deutschland. © Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2024. Eigene Berechnung der Anteile.
  • Zensus 2022, 100-m-Gitterdaten (Destatis, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0), ausgewertet nach den Grenzen der statistischen Stadtteile aus OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL). Eigene Berechnung.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis), Gemeindeverzeichnis GV-ISys, Bevölkerungsstand 31.12.2025 auf Grundlage des Zensus 2022.
  • Stadt Nürnberg, Denkmalschutz und Ensembles; Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalliste Nürnberg, abgerufen am 20.10.2026.
  • Wikipedia-Artikel Nürnberg, Luftangriffe auf Nürnberg, Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt, Nürnberger Stil, Gostenhof, Gartenstadt Nürnberg, Werderau, Langwasser, abgerufen am 20.10.2026.
  • § 7 Abs. 4 EStG; BFH, Urteile vom 28.07.2021 (IX R 25/19) und 23.01.2024 (IX R 14/23). Einordnung unter Rechtliche Grundlagen.

Alle Zahlen beschreiben den Gebäude- und Wohnungsbestand der Stadt als Ganzes oder ihrer Stadtbezirke. Sie erlauben keine Aussage über die Restnutzungsdauer eines einzelnen Gebäudes. Diese Seite ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

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