Krefelds Gebäudebestand: Reihenhäuser nach dem Feuersturm
149 Luftangriffe trafen Krefeld, der schwerste am 22. Juni 1943 mit 1.013 Toten. Bis Kriegsende waren 27.800 Wohnungen zerstört, 49,6 Prozent des Bestands, ein Drittel der Wohngebäude, 36 Prozent der Verkehrsanlagen und über 70 Prozent der Industrie; die Einwohnerzahl sank von 172.000 auf 125.000. Der Wiederaufbau fiel in die letzten Jahre der Seidenindustrie, die bis etwa 1955 noch einmal blühte, und in den Aufschwung der Stahlwerke.
Zum Stichtag des Zensus 2022 stammten 11,5 Prozent der 47.132 Krefelder Gebäude mit Wohnraum aus der Zeit vor 1919, die erhaltene Gründerzeit in der Südstadt, in Uerdingen und am Bismarckplatz, und 14,6 Prozent aus 1919 bis 1949. Die Jahre 1950 bis 1969 stellen 30,3 Prozent, nach dem Zensus-Gitter 10,3 Prozent aus 1949 bis 1957 und 17,1 Prozent aus 1958 bis 1968. Anders als im Ruhrgebiet ging der Bau danach weiter: 23,3 Prozent der Gebäude stammen aus 1970 bis 1989, 16,1 Prozent aus 1990 bis 2009; seit 2010 kamen nur 4,1 Prozent dazu.
| Baujahr | Krefeld | Deutschland |
|---|---|---|
| vor 1919 | 11,5 % | 13,1 % |
| 1919 bis 1949 | 14,6 % | 11,8 % |
| 1950 bis 1969 | 30,3 % | 23,4 % |
| 1970 bis 1989 | 23,3 % | 23,1 % |
| 1990 bis 2009 | 16,1 % | 21,1 % |
| 2010 und später | 4,1 % | 7,7 % |
Anteile an allen Gebäuden mit Wohnraum, Zensus 2022, Stichtag 15.05.2022. Eigene Berechnung.
Krefeld ist eine Reihenhausstadt in privater Hand: 50,1 Prozent der Gebäude stehen in gereihter Bauweise, 24,3 Prozent sind gereihte Einfamilienhäuser und 18,2 Prozent Doppelhaushälften; nur 28,8 Prozent der Gebäude haben drei oder mehr Wohnungen. 81,0 Prozent gehören Privatpersonen, Genossenschaften mit 0,3 Prozent praktisch nichts. Entsprechend hoch ist die Eigentümerquote: 36,0 Prozent der Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt, nur 61,7 Prozent sind vermietet, einer der niedrigsten Werte der 43 Städte. 15,9 Prozent der Gebäude heizen mit Heizöl, die Leerstandsquote liegt bei 4,01 Prozent.
Warum der typische Krefelder Fall das vermietete Reihenhaus ist
Ein 1958 gebautes Reihenhaus in Fischeln oder Bockum, das nach einem Erbfall vermietet wird, ist der häufigste Krefelder Prüffall. Bei Erwerb 2026 wird es mit 2 Prozent bis 2076 abgeschrieben, dann wäre es 118 Jahre alt. Die Wiederaufbauhäuser entstanden in Serie und mit knappen Mitteln, mit Dächern, Fenstern, Leitungen und Heizungen, die zum zweiten Mal fällig sind, bei 15,9 Prozent Ölheizungen oft mit Tank im Keller. Ob die typisierte Nutzungsdauer zur Substanz passt, ist bei diesen Jahrgängen eine ernsthafte Frage. Bei der niedrigen Gebäude-AfA-Basis vieler Reihenhäuser ist die Wirtschaftlichkeit eines Gutachtens vorab zu prüfen.
Ein Restnutzungsdauer-Gutachten beantwortet die Frage objektbezogen: technischer Verschleiß der Bauteile, wirtschaftliche Entwertung durch Grundriss, Ausstattung und Energiestandard, rechtliche Beschränkungen aus Denkmalschutz oder einer der Krefelder Erhaltungssatzungen, etwa für das Belgische Viertel oder Lindental Nord. Ein Restnutzungsdauergutachten für ein Gründerzeithaus in der Südstadt stellt dabei andere Fragen als eines für das Reihenhaus von 1958.
- Prüfhinweise: bauzeitliche Ölheizungen und Tankanlagen, Fenster und Leitungen der 1950er Jahre, Flachdächer und Betonbalkone der 1960er und 1970er Jahre, nie erneuerte Holzbalkendecken und Dachstühle der Gründerzeit, Lage in einer Erhaltungssatzung oder Denkmalstatus.
- Gegenhinweise: dokumentierte Erneuerung von Dach, Fenstern, Heizung und Leitungen, energetische Komplettmodernisierung, Neubau seit den 1990er Jahren in West und Oppum-Linn.
Neun Stadtbezirke, drei Bestandstypen
Krefeld gliedert sich in neun Stadtbezirke. Die Auswertung des Zensus-Gitters nach ihren Grenzen zeigt:
Mitte und Süd
Innenstadt, Südstadt, Bismarckviertel
In Mitte stammen 43 Prozent der Gebäude aus 1949 bis 1968 und 20 Prozent aus der Zeit vor 1919, 72 Prozent sind Mehrfamilienhäuser; Süd hat mit 23 Prozent den höchsten Gründerzeitanteil und 23 Prozent aus 1919 bis 1948, bei 56 Prozent Mehrfamilienhäusern. Hier stehen die Reste der Seidenstadt.
Wiederaufbau-Gürtel
Ost, West, Oppum-Linn, Nord
Ost ist mit 9.388 Gebäuden der größte Bezirk: 30 Prozent Nachkriegsbau und 20 Prozent aus 1969 bis 1983. West kommt auf 30 Prozent Nachkriegsbau und 19 Prozent Neubau nach 1995, Oppum-Linn auf 28 und 18 Prozent, Nord auf 27 Prozent und 22 Prozent aus 1969 bis 1983. Überwiegend Reihen- und Doppelhäuser.
Fischeln, Hüls, Uerdingen
Fischeln, Hüls, Uerdingen
Fischeln ist mit 31 Prozent aus 1969 bis 1983 der Bezirk der 1970er Jahre. Hüls, 1975 eingemeindet, mischt 11 Prozent Gründerzeit mit 18 Prozent aus 1984 bis 1994. Uerdingen, Chemiestandort am Rhein, hat mit 15 und 17 Prozent einen hohen Vorkriegsanteil und alle Epochen gleichmäßig.
Eigene Auswertung des Zensus-2022-Gitters (100 m) nach Stadtbezirksgrenzen aus OpenStreetMap. Die Gitterauswertung erfasst 98 Prozent der Gebäude der Gemeindetabelle; Zellen mit geheimhaltungsbedingt unterdrückten Werten fehlen.
Die Bezirkszahlen zeigen, wo welche Fragen häufig sind, nicht, wie lang die Restnutzungsdauer einer bestimmten Immobilie ist.
Lokale Besonderheiten: Seide, Feuersturm, Erhaltungssatzungen
Die Seidenstadt
Samt und Seide machten Krefeld im 19. Jahrhundert reich; 1887 wurde die Stadt Großstadt, bis 1957 hatte sich die Einwohnerzahl noch einmal verdoppelt. Nach 1945 blühte die Textilindustrie bis etwa 1955 auf und ging dann über Jahrzehnte zurück, parallel zu den Stahlkrisen bis in die 1990er Jahre. Die Hauptverwaltung der Verseidag von Egon Eiermann ist heute das Stadthaus. Vom Bestand der Seidenzeit blieb nach dem Feuersturm vom Juni 1943 vor allem die Südstadt mit ihren Gründerzeithäusern; für Gebäude mit Fertigstellung vor 1925 gilt dort der typisierte AfA-Satz von 2,5 Prozent.
Wiederaufbau in Reihen
Mit 2.048 Toten durch Luftangriffe, 80.000 Obdachlosen nach einer einzigen Nacht und der Hälfte der Wohnungen verloren, baute Krefeld nach 1945 vor allem Eigenheime: Reihen- und Doppelhäuser mit knappen Grundrissen, viele mit Ölheizung, die heute in zweiter oder dritter Generation vermietet werden. Die niedrige Vermietungsquote von 61,7 Prozent und die Eigentümerquote von 36 Prozent sind das statistische Echo dieser Entscheidung.
Erhaltungssatzungen
Die Stadt schützt die städtebauliche Eigenart einzelner Quartiere mit Erhaltungssatzungen nach § 172 Abs. 1 Nr. 1 BauGB, darunter Lindental Nord und das Belgische Viertel um Von-Steuben-Straße, Tenderingstraße und Neuen Weg, beschlossen vom Rat am 25. Februar 2016. Dort sind Rückbau, Änderung, Nutzungsänderung und Neubau genehmigungspflichtig. Für Eigentümer in diesen Gebieten ist das eine rechtliche Einflussgröße, die ein Gutachten bei der Frage nach zulässigen und wirtschaftlichen Anpassungen würdigt. Soziale Erhaltungssatzungen sind uns für Krefeld nicht bekannt.
Restnutzungsdauer-Gutachten in Krefeld anfragen: So bereiten Sie sich vor
- Stadtbezirk, Objektart (Reihenhaus, Doppelhaushälfte, Mehrfamilienhaus, Eigentumswohnung), Zahl der Wohnungen, Nutzung
- Baujahr und Anschaffungszeitpunkt; bei Gründerzeitbauten der Hinweis, ob das Gebäude vor 1925 fertiggestellt wurde
- Lage in einer Erhaltungssatzung oder Denkmalstatus, soweit bekannt
- Modernisierungen mit Jahr und Umfang: Dach, Fassade, Fenster, Heizung (Öltank?), Leitungen, Balkone
- bekannte Schäden, Feuchte; Fotos von außen, Keller, Dachboden, Technikraum
Die DG Deutsche Gutachten AG hat ihren Sitz in Lünen im östlichen Ruhrgebiet. Zu jedem Gutachten gehört eine Besichtigung durch den Sachverständigen; Termin und Unterlagen stimmen wir vor der Beauftragung mit Ihnen ab. Den Weg zum Restnutzungsdauer-Gutachten beschreibt die Seite Ablauf und Unterlagen, die Kostenlogik die Seite Kosten und Wirtschaftlichkeit.
Restnutzungsdauer und AfA: der steuerliche Rahmen in Kürze
Für Wohngebäude mit Fertigstellung zwischen 1925 und 2022 gilt ein typisierter AfA-Satz von 2 Prozent, also 50 Jahre; das betrifft in Krefeld den größten Teil des Bestands. Für Fertigstellung vor 1925 gilt 2,5 Prozent. § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG erlaubt die Abschreibung nach der tatsächlichen Nutzungsdauer, wenn sie kürzer ist und objektbezogen nachgewiesen wird. Ein qualifiziertes Gutachten muss das Finanzamt berücksichtigen; ob es die Nutzungsdauer übernimmt, prüft es im Einzelfall. Bei Reihenhäusern mit niedriger Gebäude-AfA-Basis lohnt vorab ein Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Einzelheiten und eine Modellrechnung finden Sie unter Gebäude-AfA und tatsächliche Nutzungsdauer.
Fragen zum Restnutzungsdauer-Gutachten in Krefeld
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2022, Gebäude- und Wohnungszählung, Regionaltabelle Gebäude und Wohnungen, Stichtag 15.05.2022, Gemeinde Krefeld (ARS 051140000000) und Deutschland. © Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2024. Eigene Berechnung der Anteile.
- Zensus 2022, 100-m-Gitterdaten (Destatis, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0), ausgewertet nach Stadtbezirksgrenzen aus OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL). Eigene Berechnung.
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Gemeindeverzeichnis GV-ISys, Bevölkerungsstand 31.12.2025 auf Grundlage des Zensus 2022.
- Stadt Krefeld, Ortsrecht: Erhaltungssatzung Lindental Nord; Erhaltungssatzung Belgisches Viertel (Ratsbeschluss 25.02.2016), abgerufen am 20.10.2026.
- Wikipedia-Artikel Krefeld, Luftangriffe auf Krefeld (nach Vogt/Brenne, Krefeld im Luftkrieg 1939–1945, 1986), abgerufen am 20.10.2026.
- § 7 Abs. 4 EStG; BFH, Urteile vom 28.07.2021 (IX R 25/19) und 23.01.2024 (IX R 14/23). Einordnung unter Rechtliche Grundlagen.
Alle Zahlen beschreiben den Gebäude- und Wohnungsbestand der Stadt als Ganzes oder ihrer Stadtbezirke. Sie erlauben keine Aussage über die Restnutzungsdauer eines einzelnen Gebäudes. Diese Seite ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.